E-Info: Außergerichtliche Tötung und Folter durch Sicherheitskräfte | friedliche Demonstranten verhaftet | Verletzte bei Razzia in KNPB Büro | uvm. PDF Afdrukken E-mailadres
maandag 08 oktober 2018 12:48
Aktuelle Meldungen zu West Papua über Menschenrechte, Politik, Umwelt und Gesellschaft.

E-Info:

West Papua Netzwerk

Liebe Freundinnen und Freunde des Westpapua-Netzwerks,
sehr geehrte Damen und Herren,

Immer wieder erreichen uns Meldungen von außergerichtlichen Tötungen, Folter und willkürlichen Verhaftungen mit Misshandlung von friedlichen Demonstranten. Die Täter brauchen in der Regel keine Konsequenzen für diese Handlungen zu befürchten.

Die indonesische Regierung versucht, der rasanten, oft illegalen Abholzung der Regenwälder etwas entgegen zu setzen. Wird es die Firmenbesitzer wirklich dazu bringen, auf immense Gewinne durch Palmölplantagen zu verzichten?

In dieser E-Info finden Sie:

  • Sicherheitskräfte foltern Zivilisten zu Tode
  • 67 Menschen bei friedlicher Demonstration verhaftet
  • Zwei Verletzte bei Razzia im KNPB Büro
  • Wegen einer Ohrfeige gefoltert
  • Indonesien verhängt dreijähriges Moratorium für neue Palmölplantagen
  • Eilaktion zu Folterfall mit Todesfolge
  • Final Countdown - Greenpeace veröffentlicht Bericht über die Reformierung der Palmölindustrie

Mit herzlichen Grüßen aus der Koordinationsstelle,

Norman Voß und Thea Hummel

Sicherheitskräfte foltern Zivilisten zu Tode

altÖrtliche Menschenrechtsverteidiger haben die außergerichtliche Tötung von Yudas Gebze aus dem Bezirk Ilwayap im Landkreis gemeldet. Einer der mutmaßlichen Täter mit dem Namen Siampa scheint ein Mitglied der örtlichen Polizei zu sein.

Am 13. September 2018 um 15.00 Uhr, drangen ein Polizist Sihombong der mobilen Brigade (BRIMOB), der Marine-Offizier Simon Oskar Merom und ein weiterer Polizist namens Siampa gewaltsam in Yudas Gebzes Haus im Dorf Wogikel auf der Suche nach dessen jüngeren Bruder Sisko Gebze ein. Nachdem sie Sisko Gebze nicht gefunden hatten, nahmen sie Yudas Gebze willkürlich fest und folterten ihn, um den Aufenthaltsort seines Bruders herauszufinden. Die Beamten benutzten einen scharfen Gegenstand, um Teile seiner Ohren abzuschneiden und verursachten Verletzungen an seiner Stirn, an den Händen und am linken Fuß. Außerdem schlugen ihn die Sicherheitskräfte wiederholt auf den Hinterkopf und verursachten eine blutende Verletzung.


67 Menschen bei friedlicher Demonstration verhaftet

altDie unabhängige Nachrichtenagentur Tabloid Jubi berichtet, dass am 24. September 2018 bei einer Demonstration in Jayapura 67 Unterstützer der "Vereinigten Befreiungsbewegung für Westpapua" (ULMWP) verhaftet wurden. Die Demonstranten drückten ihre Unterstützung für Vanuatu und andere pazifische Länder aus, die das Thema Westpapua während der 73. Generalversammlung der Vereinten Nationen angesprochen hatten. Gegen 11.00 Uhr soll ein Polizist einen Demonstranten namens Petrus Kosamah misshandelt haben, als Mitglieder der Ordnungskräfte (DALMAS) die Menge auf dem Campus der Universität für Wissenschaft und Technologie (USTJ) im Stadtteil Abepura zerstreuten.


Zwei Verletzte bei Razzia im KNPB Büro

altIn einer gemeinsamen Aktion haben Sicherheitskräfte in der Zweigstelle des "Westpapua Nationalkomitee" (KNPB) in Timika eine Razzia durchgeführt. Die KNPB ist eine politische Organisation, die sich für das Selbstbestimmungsrecht der Papua einsetzt. Während der Operation verhafteten die Sicherheitskräfte neun KNPB-Aktivisten - zwei von ihnen erlitten Kugelverletzungen und mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Polizeibeamte beschlagnahmten nach eigenen Angaben einen Revolver, 104 Patronen vom Kaliber 5.56, 11 Revolverpatronen, eine AK47 Patrone und 7 Molotowcocktails. Vertreter des KNPB bestritten, dass KNPB-Aktivisten Feuerwaffen oder Sprengstoffe im Büro gelagert hatten. Die Polizei nutze erfundene Beweise, um die Organisation zu kriminalisieren und ihren friedlichen Widerstand zu brechen.



Wegen einer Ohrfeige gefoltert

altDie Vereinigung der Menschenrechtsanwälte für Papua PAHAM Papua hat einen Folterfall in Sentani, Jayapura dokumentiert. Am 10. September 2018 folterten sechs Mitglieder der Luftwaffe einen Mann namens Sukay Alwan Suebu in einer Polizeistation in der Nähe des Flughafens Sentani (Polsek KP3U Bandara Sentani) und im Schlafsaal der Luftwaffenbasis (LANUD) in Sentani. Er erlitt aufgrund der Folter Prellungen am ganzen Körper und musste im Krankenhaus ärztlich behandelt werden.

Indonesien verhängt dreijähriges Moratorium für neue Palmölplantagen

altIndonesien hat ein dreijähriges Moratorium für die Entwicklung neuer Palmölplantagen verhängt. Gemäß dem von Präsident Joko Widodo unterzeichneten Erlass sollen in den kommenden drei Jahren keine weiteren Flächen für Palmölplantagen urbar gemacht werden, wie ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums am Donnerstag erklärte.

Ziel sei es, zur Senkung der Treibhausgasemissionen beizutragen, für eine bessere Umweltverträglichkeit des Anbaus zu sorgen, die Produktivität kleiner Produzenten zu steigern und für Rechtssicherheit zu sorgen, erklärte der Ministeriumsvertreter.


Eilaktion zu Folterfall mit Todesfolge

altDie Asiatische Menschenrechtskommission (AHRC) hat Informationen von der indonesischen NRO KontraS (Kommission für Verschwundene und Opfer von Gewalt) über den gewaltsamen Tod von Isak Dewayekua (23) erhalten. Armeeangehörige der Militäreinheit Yonif 755 / Yalet verhafteten und folterten ihn in Kimaam, Merauke zu Tode.

Bisher hat der Untersuchungsprozess des Falls sehr lange gedauert. Seit November 2017 führt die Militärpolizei von Merauke (POMDAM Merauke) eine Untersuchung durch. Im Dezember 2017 wurde der Fall der Militärpolizei der Provinz Papua vorgelegt. Das Ermittlungsverfahren dauerte über ein halbes Jahr, und im Juli 2018 begann die Verhandlung schließlich mit einem Mangel an Fakten und Zeugen vor dem Militärgericht.




Final Countdown - Greenpeace veröffentlicht Bericht über die Reformierung der Palmölindustrie

altDie Umweltorganisation Greenpeace hat einen neuen Bericht mit dem Titel "Final Countdown" über die Umsetzung der Ziele zur Reformierung der Palmölindustrie veröffentlicht. Im Jahr 2013 versprach Wilmar International, das größte Palmöl Handelsunternehmen der Welt, sein Palmöl zukünftig ausschließlich von verantwortungsbewussten Produzenten, welche den Umweltschutz und Menschenrechte achten, zu beziehen.

Der Bericht dokumentiert großflächige Entwaldung und Menschenrechtsverletzungen durch 25 Palmöl Produzenten. Abgesehen von einer Ausnahme haben diese Unternehmen in den letzten 12 Monaten verschiedene Markenhersteller mit Palmöl beliefert. Greenpeace deckt in dem Bericht auf, dass die 25 Produzenten seit 2015 mehr als 130.000 Hektar Wald- und Moorflächen zerstört haben. 40% dieser Zerstörungen mit einer Gesamtfläche von 56.000 hektar fanden in Papua, der östlichsten Provinz Indonesiens, statt. Papua hat mit seinen ausgedehnten Regenwaldflächen in den letzten Jahren zunehmend das Interesse der Palmölindustrie geweckt.

Sicherheitskräfte foltern Zivilisten zu Tode

altÖrtliche Menschenrechtsverteidiger haben die außergerichtliche Tötung von Yudas Gebze aus dem Bezirk Ilwayap im Landkreis gemeldet. Einer der mutmaßlichen Täter mit dem Namen Siampa scheint ein Mitglied der örtlichen Polizei zu sein.

Am 13. September 2018 um 15.00 Uhr, drangen ein Polizist Sihombong der mobilen Brigade (BRIMOB), der Marine-Offizier Simon Oskar Merom und ein weiterer Polizist namens Siampa gewaltsam in Yudas Gebzes Haus im Dorf Wogikel auf der Suche nach dessen jüngeren Bruder Sisko Gebze ein. Nachdem sie Sisko Gebze nicht gefunden hatten, nahmen sie Yudas Gebze willkürlich fest und folterten ihn, um den Aufenthaltsort seines Bruders herauszufinden. Die Beamten benutzten einen scharfen Gegenstand, um Teile seiner Ohren abzuschneiden und verursachten Verletzungen an seiner Stirn, an den Händen und am linken Fuß. Außerdem schlugen ihn die Sicherheitskräfte wiederholt auf den Hinterkopf und verursachten eine blutende Verletzung.


67 Menschen bei friedlicher Demonstration verhaftet

altDie unabhängige Nachrichtenagentur Tabloid Jubi berichtet, dass am 24. September 2018 bei einer Demonstration in Jayapura 67 Unterstützer der "Vereinigten Befreiungsbewegung für Westpapua" (ULMWP) verhaftet wurden. Die Demonstranten drückten ihre Unterstützung für Vanuatu und andere pazifische Länder aus, die das Thema Westpapua während der 73. Generalversammlung der Vereinten Nationen angesprochen hatten. Gegen 11.00 Uhr soll ein Polizist einen Demonstranten namens Petrus Kosamah misshandelt haben, als Mitglieder der Ordnungskräfte (DALMAS) die Menge auf dem Campus der Universität für Wissenschaft und Technologie (USTJ) im Stadtteil Abepura zerstreuten.


Zwei Verletzte bei Razzia im KNPB Büro

altIn einer gemeinsamen Aktion haben Sicherheitskräfte in der Zweigstelle des "Westpapua Nationalkomitee" (KNPB) in Timika eine Razzia durchgeführt. Die KNPB ist eine politische Organisation, die sich für das Selbstbestimmungsrecht der Papua einsetzt. Während der Operation verhafteten die Sicherheitskräfte neun KNPB-Aktivisten - zwei von ihnen erlitten Kugelverletzungen und mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Polizeibeamte beschlagnahmten nach eigenen Angaben einen Revolver, 104 Patronen vom Kaliber 5.56, 11 Revolverpatronen, eine AK47 Patrone und 7 Molotowcocktails. Vertreter des KNPB bestritten, dass KNPB-Aktivisten Feuerwaffen oder Sprengstoffe im Büro gelagert hatten. Die Polizei nutze erfundene Beweise, um die Organisation zu kriminalisieren und ihren friedlichen Widerstand zu brechen.



Wegen einer Ohrfeige gefoltert

altDie Vereinigung der Menschenrechtsanwälte für Papua PAHAM Papua hat einen Folterfall in Sentani, Jayapura dokumentiert. Am 10. September 2018 folterten sechs Mitglieder der Luftwaffe einen Mann namens Sukay Alwan Suebu in einer Polizeistation in der Nähe des Flughafens Sentani (Polsek KP3U Bandara Sentani) und im Schlafsaal der Luftwaffenbasis (LANUD) in Sentani. Er erlitt aufgrund der Folter Prellungen am ganzen Körper und musste im Krankenhaus ärztlich behandelt werden.

Indonesien verhängt dreijähriges Moratorium für neue Palmölplantagen

altIndonesien hat ein dreijähriges Moratorium für die Entwicklung neuer Palmölplantagen verhängt. Gemäß dem von Präsident Joko Widodo unterzeichneten Erlass sollen in den kommenden drei Jahren keine weiteren Flächen für Palmölplantagen urbar gemacht werden, wie ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums am Donnerstag erklärte.

Ziel sei es, zur Senkung der Treibhausgasemissionen beizutragen, für eine bessere Umweltverträglichkeit des Anbaus zu sorgen, die Produktivität kleiner Produzenten zu steigern und für Rechtssicherheit zu sorgen, erklärte der Ministeriumsvertreter.


Eilaktion zu Folterfall mit Todesfolge

altDie Asiatische Menschenrechtskommission (AHRC) hat Informationen von der indonesischen NRO KontraS (Kommission für Verschwundene und Opfer von Gewalt) über den gewaltsamen Tod von Isak Dewayekua (23) erhalten. Armeeangehörige der Militäreinheit Yonif 755 / Yalet verhafteten und folterten ihn in Kimaam, Merauke zu Tode.

Bisher hat der Untersuchungsprozess des Falls sehr lange gedauert. Seit November 2017 führt die Militärpolizei von Merauke (POMDAM Merauke) eine Untersuchung durch. Im Dezember 2017 wurde der Fall der Militärpolizei der Provinz Papua vorgelegt. Das Ermittlungsverfahren dauerte über ein halbes Jahr, und im Juli 2018 begann die Verhandlung schließlich mit einem Mangel an Fakten und Zeugen vor dem Militärgericht.




Final Countdown - Greenpeace veröffentlicht Bericht über die Reformierung der Palmölindustrie

altDie Umweltorganisation Greenpeace hat einen neuen Bericht mit dem Titel "Final Countdown" über die Umsetzung der Ziele zur Reformierung der Palmölindustrie veröffentlicht. Im Jahr 2013 versprach Wilmar International, das größte Palmöl Handelsunternehmen der Welt, sein Palmöl zukünftig ausschließlich von verantwortungsbewussten Produzenten, welche den Umweltschutz und Menschenrechte achten, zu beziehen.

Der Bericht dokumentiert großflächige Entwaldung und Menschenrechtsverletzungen durch 25 Palmöl Produzenten. Abgesehen von einer Ausnahme haben diese Unternehmen in den letzten 12 Monaten verschiedene Markenhersteller mit Palmöl beliefert. Greenpeace deckt in dem Bericht auf, dass die 25 Produzenten seit 2015 mehr als 130.000 Hektar Wald- und Moorflächen zerstört haben. 40% dieser Zerstörungen mit einer Gesamtfläche von 56.000 hektar fanden in Papua, der östlichsten Provinz Indonesiens, statt. Papua hat mit seinen ausgedehnten Regenwaldflächen in den letzten Jahren zunehmend das Interesse der Palmölindustrie geweckt.